Dienstag, 13. August 2013

Wertheim Lake in Kanada

Prinzessin Anne zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg
beim King's Cup Race 1923.
Dass vor allem jüdische Menschen seit Jahrhunderten die Namen Wertheim und Wertheimer in alle Welt getragen haben, dass weiß man an Main und Tauber. Dass es aber in der kanadischen Provinz Ontario sogar einen See gibt, der diesen Namen trägt, Wertheim Lake, das ist sicher weniger bekannt.

Namensgeberin wurde posthum Prinzessin Anne zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg (1864–1927), eine geborene Lady Anne Savile, Tochter von John Savile, dem vierten Earl of Mexborough. 1897 hatte sie in London den in Kreuzwertheim geborenen Prinzen Ludwig Karl zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg (1864–1899) geheiratet, den sechsten Sohn des Fürsten Wilhelm (1817–1887).

Aus welchen Gründen auch immer, Ludwig, im Londoner gesellschaftlichen Leben bestens vernetzt, verschwand, kaum dass er ein Jahr verheiratet war, auf rätselhafte Weise von der Bildfläche, um bald darauf auf den Philippinen im Spanisch-Amerikanischen Krieg aufzutauchen. Im unmittelbar anschließenden Philippinisch-Amerikanischen Krieg fand er im März 1899 als Zuschauer bei einem Gefecht in Furageros am Stadtrand von Manila den Tod. Über seine undurchsichtige Rolle auf den Philippinen und seinen Tod durch eine amerikanische Kugel berichtete die Presse in mehreren Artikeln [1] [2] [3] [4].

Seine Witwe, die durch ihre Heirat Deutsche geworden war, nahm unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg wieder die britische Staatsangehörigkeit an. Sie war technisch offenbar sehr interessiert. So berichtete die New York Times 1913, dass sie mit einem selbstbalancierenden Bett gegen Seekrankheit, einer eigenen Erfindung, in New York eingetroffen sei.

1914 bestieg sie erstmals ein Flugzeug – und war fortan von der Fliegerei gefangen. Sie befreundete sich mit Captain Leslie Hamilton, einem Flieger-As des Ersten Weltkriegs, in dessen Maschine sie im King’s Cup Race 1923 mitflog. Zwischen 1922 und 1927 gehörte sie zur Flieger-Szene in ihrem Heimatland, nahm als Pilotin und als Mitfliegerin, unter anderem in einer eigenen Maschine, an Rennveranstaltungen und Flugereignissen teil. Als sie 1925 mit Hamilton von London nach Paris fliegen wollte, wurde die Maschine zuletzt in Folkstone gesehen und war verschwunden. Eine Suchaktion im Ärmelkanal begann. Schließlich wurde die Maschine in Pontoise am Stadtrand von Paris entdeckt, wo sie mit Maschinenschaden hatte notlanden müssen. Prinzessin Anne errang bei ihren Unternehmungen als Pilotin mehrere Flugrekorde.

Ihren letzten Flug trat sie am 31. August 1927 an. Sie hatte Hamiltons Versuch finanziert, erstmals den Atlantik von Ost nach West, von England nach Kanada, zu überqueren, nachdem dies Charles Lindbergh in umgekehrter Richtung  ein Vierteljahr zuvor gelungen war. Gegen alles gute Zureden ihrer Verwandten bestieg sie mit Hamilton und Colonel Frederick F. Minchin den mit einem 450-PS-Jupiter-Bristol-Motor ausgerüsteten Fokker-Eindecker Saint Raphael, der um 7.32 Uhr vom Flugplatz Upavon in Wiltshire abhob.  Zuletzt wurde Saint Raphael mitten über dem Atlantik von der Besatzung der USS Josiah Macy gesichtet. Dann verschwand das Flugzeug.

Am 6. Februar 1928 erklärte ein Londoner Gericht Prinzessin Anne zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg für tot, als Todestag gilt der 2. September 1927. Noch 1928 wurden in der kanadischen Provinz Ontario einige Seen zu Ehren von Fliegern benannt, die ihr Leben bei Pioniertaten verloren hatten. Neben dem St Raphael Lake gibt es seither auch den Hamilton Lake, den Minchin Lake und den Wertheim Lake. Lezterer ist etwa 14 Kilometer lang und anderthalb Kilometer breit.

Quellen im Netz: [1] [2] [3] [4] [5] [6]


Prinzessin Anne und Captain Leslie Hamilton wenige Tage vor ihrem Abflug
1927. Charmanterweise vom Reporter auf »about 50« geschätzt, war die
couragierte Pilotin tatsächlich 63 Jahre alt. -- Vorlage: National Air and
Space Museum, Smithsonian Institution

Donnerstag, 6. Juni 2013

Gegen das Vergessen

Gedenkfeier am Neuplatz, im Vordergrund die Linie des Abendschattens
der ehemaligen Wertheimer Synagoge. -- Foto: Friedrich Lehmkühler

Unter dem Motto »Gegen das Vergessen« hat sich seit längerer Zeit der Verein »Pro Wertheim« Gedanken gemacht um eine Aufwertung des Gedenkens an die uralte jüdische Gemeinde Wertheims, die mit der Deportation ihrer letzten Mitglieder am 21. Oktober 1940 erloschen ist. Am Platz der ehemaligen Synagoge am Neuplatz gibt es in einer Ecke zwar seit der Neugestaltung des Areals eine Gedenktafel — aber doch sehr versteckt und für den ortsunkundigen Gast leicht zu übersehen.

Das ist nun anders. Ein Lesepult mit den Namen der ermordeten Wertheimer Juden, ein metallener Davidsstern im Blickfeld der Passanten, Informationstafeln am Neuplatz, Zusatzstraßenschilder »Frühere Judengasse« und Gerber- und Wehrgasse sowie die Kenntlichmachung des Abendschattens der 1961 abgerissenen ehemaligen Synagoge durch dunklere Pflastersteine sind erste Maßnahmen, die, gebilligt vom Gemeinderat der Stadt Wertheim und finanziert durch Spenden, die Erinnerung an einen wichtigen Teil der Wertheimer Geschichte tatsächlich aus der Ecke holen.

Am Mittwochvormittag versammelten sich fast 50 Wertheimer am Neuplatz, um mit einer würdigen kleinen Feier die Übergabe des ersten Abschnitts des Projektes »Gegen das Vergessen« an die Stadt Wertheim zu begehen. Umrahmt durch musikalische Darbietungen von Streichern der Jugendmusikschule, sprachen »Pro-Wertheim«-Vorstandsmitglied Werner Peschke sowie Oberbürgermeister Stefan Mikulicz und Johannes Ghiraldin vom Verein zur Erforschung jüdischer Geschichte und Pflege jüdischer Denkmäler im tauberfränkischen Raum e. V. über die Absichten der Initiatoren, die Bedeutung des Erinnerns für die Stadt und über die Geschichte des jüdischen Volkes. Ein Rundgang und ein Verweilen im Gespräch beschlossen die Gedenkstunde.

Es ist ein überfälliger Anstoß, der fast gleichzeitig mit dem Projekt »Stolpersteine« in die Tat umgesetzt wird. Immerhin haben die letzten Wertheimer Juden bereits vor 73 Jahren die Stadt verlassen — unfreiwiilig, verhöhnt, misshandelt und vielfach dem Tode geweiht. Es ist höchste Zeit, dies vor dem Vergessen zu bewahren, wie man an dem Angriff auf einen Rabbiner in Offenbach in dieser Woche und an anderen antisemitischen Umtrieben leicht erkennen kann.

NIE WIEDER!

Montag, 3. Juni 2013

Besser als Kino: Blaumeisen (II)

Eine Änderung des Geschehens der letzten Tage zeichnete sich am vergangenen Freitag ab. Tagelang hatten Zwitschern und  Bettelrufe im Nistkasten hörbar an Lautstärke und Kraft zugenommen. An diesem Morgen, es mag halb zehn gewesen sein, ließ sich das erste Köpfchen am Flugloch sehen. Aufmerksam musterte der Jungvogel die Umgebung, schaute nach allen Seiten und nach unten – und begann, lauthals um Futter zu betteln.

Wo bleibt mein Futter? -- Fotos: Friedrich Lehmkühler
Prompt wird der Nachschub geliefert.

Bis gegen elf Uhr ging es so weiter, bis der Jungvogel erste Anstalten machte, sein Nest zu verlassen. Immer weiter streckte er den Kopf hervor, den gegenüberliegenden Zweig fest im Blick.

Immer weiter kommt der kleine Körper aus dem Flugloch, streckt
sich immer mehr in die Länge ...
... und, schwupps, schon ist der Zweig erreicht. Während auch dort das Betteln
um Futter weitergeht, macht sich das nächste Geschwisterchen abflugbereit.

Die ersten vier Geschwisterchen flogen rasch nacheinander aus. Eine ganze Weile länger brauchte Nummer fünf. Da fehlte es offensichtlich an Mut. Die Beinchen auf den Rand des Flugloches und ab, wie die Geschwister es vorgemacht hatten, das erschien doch zu riskant. Zweimal waren ein Flügel oder sogar beide schon aus dem Nistkasten heraus, doch dann folgte die Flucht nach hinten. Rasch war der Körper wieder im Innern, und die Mutter musste noch ein paar fette Bissen füttern, bis es nach etwa 20 Minuten zum dritten Versuch kam.

Dritter Versuch von Nummer fünf: ganz lang strecken und ...


... doch wieder nicht? ...

... Doch! Endlich!

Geschafft! Stolz wie Oskar und etwas erschöpft sitzt Nummer fünf auf dem
Zweig, während Geschwisterchen Nummer sechs noch einmal gefüttert wird.

Nachdem es schließlich doch geklappt hatte, folgte der sechste Jungvogel wenige Minuten später, ohne zu zögern. Doch dann war nach insgesamt etwa einer Dreiviertelstunde erst einmal Schluss. Nummer sieben ließ zweifelsfrei erkennen, dass Ausfliegen nicht auf dem Programm stand. Das Köpfchen war zwar zu sehen, aber die Schnabelspitze ragte keinen Millimeter aus dem Flugloch heraus. Trotz eifrigen Fütterns durch die Mutter war bald klar: Der Flugtag war vorbei.

Düsteres Regenwetter am Samstag mit wahren Wolkenbrüchen schien kein gutes Flugwetter zu sein. Zwar lieferte Mutter Blaumeise den ganzen Tag kleine Raupen und Insekten, doch die Jungen – nach dem Konzert aus dem Innern wohl mehr als eines – blieben unsichtbar. Viertel nach acht am Sonntagmorgen sah man erstmals wieder ein Köpfchen am Flugloch. Bald streckte es sich weiter hervor, und kaum dass man sich versehen hatte, saß es auf dem Zweig vor dem Nistkasten. Nummer acht folgte rasch nach, die Mutter schaute noch einmal in den Nistkasten, ob wirklich alles leer sei – und schon war Familie Blaumeise entschwunden.

Für das unbeschwerte Terrassenleben, ohne dass man Sorge haben müsste, die kleinen Gäste zu stören, fehlt nun nur noch das passende Wetter. Der Sommer darf kommen.

Besser als Kino: Blaumeisen (I)

In den letzten Wochen herrschte vor unserem Küchenfenster Hochbetrieb und zwar bei dem Nistkasten, den wir im zeitigen Frühjahr in nur etwa 2,20 Meter Höhe so aufgehängt hatten, dass man ihn von der Küche, aber auch vom Essplatz im Wohnzimmer aus gut beobachten kann. Die Frage war nur, ob ein Paar der zahlreichen Singvögel, die wir den ganzen Winter über in ähnlicher Höhe und Entfernung vom Haus reichlich gefüttert hatten, so nah brüten würde. Zur Not gab es ja noch den in etwa 3,50 Meter Höhe in einigen Metern Entfernung angebrachten Nistkasten, in dem schon im vorigen Frühjahr ein Blaumeisenpaar gebrütet hatte.

Ende März, Anfang April sah man dann plötzlich drei Blaumeisen in den Büschen und Bäumen vor dem Haus. Es herrschte rege Geschäftigkeit, man jagte sich, man war aufgeregt. Offensichtlich balzten zwei Männchen um die Wette um die Gunst einer Meisendame. Das ging ein paar Tage, bis nur noch zwei Vögel zu sehen waren, die sich nun mit der Paarung beschäftigten. Sie hatten den neuen Nistkasten inspiziert und offenbar akzeptiert. Denn bald schon begann eifriger Flugbetrieb, bei dem allerlei Polstermaterial durchs Flugloch hineingetragen wurde.

Wann genau das Brüten begann, haben wir nicht ganz exakt mitbekommen. Man sah die Altvögel gelegentlich ein- und ausfliegen. Das Gelege blieb aber nie länger als vielleicht fünf Minuten allein, bevor es wieder gewärmt wurde. Mitte Mai schlüpften dann die Jungen. Man konnte es an einem plötzlich dramatisch ansteigenden Flugbetrieb ablesen: Hungrige Mäuler mussten gestopft werden.

Füttern von Sonnenaufgang bis zum Abend:
Altvogel vor dem Nistkasten -- Fotos: Friedrich Lehmkühler

Der Partner ist auch da ...

... hinein mit der Beute, die Kinder rufen ...

... und ab zum nächsten Einsatz!

Dienstag, 28. Mai 2013

Gisèle im 101. Lebensjahr gestorben

CASTRVM PEREGRINI in Amsterdam hat heute eine betrübliche Pressemitteilung herausgegeben:

»Long expected but still it came as a surprise: our great friend and companion Gisèle passed away yesterday evening, 27 May 2013, age 100. She is now at the 'top floor' surrounded by her late friends and her father and mother, for whom she longed.


It is good like that. We are grateful that she could enjoy her being-here up until the end. She knew time and again how to arrange herself with her changed condition. We are extremely thankful to all those, who have made this possible.«


Gisèle d'Ailly van Waterschoot van der Gracht (1912–2013) -- Foto: Koos Breukel

Mit dem Heimgang der Malerin Gisèle d'Ailly van Waterschoot van der Gracht ist der klein gewordene Freundeskreis von Wolfgang Frommel (1902–1986) um eine ganz zentrale Figur verkleinert worden. In ihrem Haus an der Herengracht 401 in Amsterdam fand der mit Wertheim eng verbundene Exilant im Zweiten Weltkrieg nicht nur selbst Aufnahme. Gemeinsam mit der Hausherrin gab er verfolgten jungen Männern, jüdischer Herkunft zumal, Unterschlupf und geistige Heimat.

Das Castrum Peregrini, so der damalige Deckname des Hauses, wurde nach dem Krieg zu einem kulturellen Zentrum hohen Ranges, in dem Kunst, Literatur, Freundschaft und Kommunikation bis heute eine Heimstatt haben und das ohne Gisèles Engagement und ihr Zusammenwirken mit Wolfgang Frommel kaum vorstellbar wäre. Um fast 27 Jahre überlebte Gisèle ihren Freund.

Zahlreiche Freunde, ältere und jüngere, müssen nun Abschied von ihr nehmen.

Montag, 15. April 2013

Auf der Wielandshöhe


Er hat etwas gegen »tätowierte Teller« und auch gegen allerlei sonstigen Schnickschnack. Stattdessen setzt er auf ökologisch erzeugte Produkte höchster Qualität, am liebsten aus der Region. Vincent Klink, Sternekoch und Inhaber des Hotel-Restaurants »Wielandshöhe« in Stuttgart-Degerloch, ist zumindest im Südwesten vielen Menschen ein Begriff, unter anderem durch seine SWR-Fernsehsendung »Kochkunst mit Vincent Klink«.  Bei uns im Hause ist sie Kultsendung, die möglichst nie verpasst und, wenn doch, wenigstens aufgezeichnet wird. 
Vorlage: SWR

Einen Gutschein für einen Abend auf der »Wielandshöhe« hatte meine Frau mir zu Weihnachten geschenkt. Jetzt klappte es an einem Samstagabend: Vincent Klink hatte noch einen Tisch frei, und Sohn und Schwiegertochter, die im Stuttgarter Speckgürtel wohnen, hatten auch Zeit, uns zu begleiten.  

Der Abend wurde in mancherlei Hinsicht ein großer Erfolg. Zum einen schmeckte es wirklich hervorragend. Alle vier hatten wir das Vier-Gänge-Menü gewählt, das durch weitere drei kleine Zwischengänge und hausgemachte Pralinen zum Schluss die Verwirklichung einer Devise Vincent Klinks erzwang: Jetzt wird der Gürtel weiter geschnallt! Zum anderen fühlte man sich in der sehr gediegenen, aber nicht überkandidelten Atmosphäre des Hauses entspannt und sehr wohl  — genau drei Krawattenträger wurden unter den männlichen Gästen erspäht, aber niemand kam ohne Sakko. 

Ein Blick auf die Menükarte des Tages mag ermessen lassen, was an diesem Abend bewältigt werden musste — und mit großem Genuss erledigt werden durfte. Der rote Fleck auf der am Tisch x-mal hin- und hergereichten Karte ist übrigens ein Fleck der  Sauce Cumberland, der sich zufällig an der richtigen Stelle niedergelassen hat. 


Ein Fan von Vincent Klink war ich schon vor diesem denkwürdigen Samstagabend. Warum? Weil er mit guten Zutaten, wie man sie auch hier in Wertheim und Umgebung bekommen kann, und ohne großen Firlefanz, dazu immer lehrreich, wirkliche Kunst präsentiert, die den strebenden Hobbykoch nicht entmutigt, sondern zum Nacheifern einlädt. 

Das »Grundsätzliche« auf Klinks Webseite beschreibt für mich genau das bisher immer unformuliert Empfundene und nun erstmals Erlebte. »Ihre Interpretation von Kochkunst – wie sie sich für mich etwa in dem rosa gebratenen Rücken vom Schwäbisch-Hällischen Spanferkel manifestiert – spricht mich wohl deshalb so an, weil sie sich nicht an irgendwelchen Moden orientiert, sondern einfach dem Menschen und der Natur angemessen ist«, habe ich in einem kleinen Dankschreiben an den Meister und sein Team formuliert. Und das ist wohl, wie ich meine, das eigentliche Geheimnis hinter seiner großen Kunst.

Dienstag, 9. April 2013

Gedenken an den Baron

50 Jahre lang war auf dem Wertheimer Bergfriedhof die
Grabstelle Baron Heykings zu sehen. Inzwischen ist sie
eingeebnet worden. -- Fotos: Friedrich Lehmkühler
50 Jahre lang hatte ein Freund Edgar v. Heykings (18911956) für die zuletzt von Efeu umrankte Grabstelle des Barons auf dem Wertheimer Bergfriedhof immer wieder die Liegezeit verlängert. Dann wurde in dem mit knapper Not vor dem Abriss geretteten und mit Liebe sanierten Schlösschen im Hofgarten 2006 das heute dort existierende Museum eröffnet. In dem Rokoko-Schlösschen hatte Baron Heyking von 1931 bis zu seinem Tode gelebt länger als an irgendeinem anderen Platz in seinem bewegten Leben. Deshalb wurde beschlossen, die Grabstelle nun aufzulassen und die schlichte Grabplatte in die Mauer am Schlösschen einzulassen. Diese Maßnahme steht noch bevor. Das Grab auf dem Bergfriedhof ist zwischenzeitlich von der Stadtverwaltung eingeebnet worden. 

Die Grabplatte wurde aufbewahrt und soll bald in die
Mauer am Schlösschen im Hofgarten eingelassen werden.
 


Heykings Adressbuch (VIII)


Vor allem zu den Gelpkes in Waldenburg bei Basel, nach denen ich im vorigen Beitrag gefragt habe, haben mich viele Mails mit reichhaltigen Informationen erreicht, für die ich herzlich danke. Eine Anekdote ist so nett, dass ich sie nicht für mich behalten will. Der Einsender schreibt: 

Wie meine Großeltern war ich selber einmal als junger Gymnasiast dort, in dem noblen, großen Haus des Nationalrats Gelpke, zu Gast und erinnere mich an eine Vorlesung aus Max Kommerells Buch »Der Dichter als Führer in der deutschen Klassik« und eine prächtige Mahlzeit mit vielen Menschen. Oft erzählt wurde die Anekdote (die Ernst Jünger irgendwo berichtet), wie das Gelpke-Auto streikte und von den Herren Wilhelm Furtwängler, Ernst Jünger und Wolfgang Frommel geschoben werden musste. 

Heute nun soll es weitergehen mit dem Adressbuch des Barons. Wer zu den abgebildeten Adressen etwas beitragen kann, ist herzlich eingeladen, dies per Mail zu tun. Die beiden Hellemann-Eintragungen und der Heyking-Eintrag bedürfen keiner Erläuterungen. 





Samstag, 9. Februar 2013

Heykings Adressbuch (VII)

Einige Mails mit wertvollen Hinweisen auf Personen aus dem Adressbuch Edgar v. Heykings (1891-1956) haben mich bis in diese Woche hinein wieder erreicht, wofür ich allen Einsendern herzlich danke. Mancher Hinweis zeigt mir neue Wege für die Erforschung des Wertheimer Freundeskreises zwischen den Weltkriegen. Interessant sind alle Hinweise, fast alle Mosaiksteinchen für das Gesamtbild.

Heute will ich den Buchstaben G aus dem Adressbuch vorstellen, der relativ wenig Eintragungen zeigt. Einige, wie etwa die wechselnden Anschriften Percy Gotheins oder Tobias Gerickes, betreffen längst bekannte Personen. Doch zu den abgebildeten Namen weiß ich wenig oder gar nichts. Wer kann helfen?


Montag, 28. Januar 2013

Schlösschen im Hofgarten bloggt

Das Museum Schlösschen im Hofgarten in Wertheim ist jetzt auch unter die Blogger gegangen. Das neue Blog findet man hier. Wie man von den Machern hört, ist eine Intensivierung der Internet-Arbeit geplant. Ein Twitter-Account soll seit heute helfen, die Vernetzung des Museums zu verbessern. Weitere Schritte sind offenbar geplant.

Donnerstag, 17. Januar 2013

Lindenauer Taschentücher

Anfang Dezember hatte ich berichtet, dass mit eine Leipziger Jury im Wettbewerb »Lindenauer Taschentuchgeschichten« den ersten Preis zugesprochen hatte. Eine meiner beiden Geschichten, die ich eingereicht hatte, nämlich »Die Nachricht«, hatte offensichtlich Anklang gefunden.

Den Teilnehmern war versprochen worden, dass sie ein Taschentuch, bedruckt mit ihrer Geschichte, als Dankeschön für die Teilnahme bekommen würden. Diese Woche nun kamen meine beiden Taschentücher in Wertheim an, und ich will Sie den Besuchern meines Blogs nicht vorenthalten. Eine hübsche Idee hat sich damit endgültig materialisiert ...











Dienstag, 15. Januar 2013

Energetischer Museumsdirektor

Erst heute habe ich mitbekommen, dass Nikolaus Bernau in der Berliner Zeitung schon am 6. Januar die letztjährige Wertheimer Ausstellung von Künstlerinnen der Berliner Secession, die (teilweise) noch bis März in der Liebermann-Villa am Wannsee zu sehen ist, unter dem Titel Der Märchen-Schrecken besprochen hat: Hier kann man den ganzen Artikel lesen.

Meinem Freund Dr. Jörg Paczkowski wird, wenn er den Artikel schon gelesen haben sollte, eine Passage ganz besonders wie warmes Maschinenöl heruntergelaufen sein:

Auch jetzt brauchte es das kleine Museum-Schlösschen im Hofgarten in Wertheim am Main und dessen energetischen Direktor Jörg Paczkowski sowie die Kieler Kunsthistorikerin Ulrike Wolff-Thomsen, um diese Ausstellung entstehen zu lassen. Ziemlich peinlich etwa für die Berliner Nationalgalerie – zumal das Pariser Centre Pompidou schon vor einigen Jahren vorgemacht hat, wie man die gesamte Kunstgeschichte der Moderne ohne Qualitätsabstriche auch mit Werken fast nur von Künstlerinnen zeigen kann. Leider wurde nicht die gesamte Wertheimer Ausstellung nach Berlin übernommen. 

Die Werke von Julie Wolfthorn, die in Theresienstadt starb und schon deswegen in der Liebermann-Villa hätte gezeigt werden müssen, die Kunst von Ernestine Schultze-Naumburg, die als Ernestina Orlandini bekannt wurde, sowie die Werke von Maria Slavona und Hedwig Weiss fehlen. Platz wäre da gewesen, doch die Liebermann-Villa hat es nicht gewagt, auch das mit Gemälden des großen Max Liebermann belegte Atelier und den Vorraum freizugeben. Dabei erscheinen dessen Garten- oder Familienbilder neben der Farbgewalt der „Weinernte“ von Dora Hitz wie virtuose Gesellschaftskunst.

Verdient hat  Jörg dieses Lob längst und allemal, Prof. Ulrike Wolff-Thomsen sicher  ebenso, die in Wertheim einen ganz starken Eindruck hinterlassen hat. Und für unser Schlösschen im Hofgarten gäbe es sicher auch schlechtere »Reklame« aus der Hauptstadt — Grund genug hoffentlich für viele, sich die nächsten Ausstellungen in Wertheim nicht entgehen zu lassen.

Mittwoch, 2. Januar 2013

Heykings Adressbuch (VI)

Ich wünsche allen Lesern meines Blogs ein gutes neues Jahr 2013!

Bei der Durchsicht von Edgar v. Heykings (1891-1956) Adressbuch ist heute der Buchstabe F an der Reihe. Neben den vielen Frommel-, Fellmann-, v.-Funck- und Flesch-Thebesius-Adressen etc., die ich selbst einordnen kann, gibt es hier eine Reihe von Anschriften, bei denen ich auf Hilfe angewiesen bin. Bitte schreiben Sie mir, wenn Sie etwas zu den Personen oder Familien beitragen können, das die Einordnung in die Welt des Barons Heyking erleichtert.

Anfangen will ich aber mit einem baltischen Eintrag, den ich aus eher folkloristischen Gründen zeige. Er wird im frühen Leben des starken Rauchers Heyking eine gewisse Rolle gespielt haben, wurde aber wohl spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg mit den bekannten Ergebnissen auch für das Baltikum von ihm selbst gestrichen.


Bei den folgenden Einträgen kann ich Baronin v. Fersen mit Sicherheit dem baltendeutschen Umfeld der Heykings zuordnen. Das gilt möglicherweise auch für die Familie v. Fircks. Die übrigen Namen sagen mir im Moment wenig. Wer kann helfen?